Reaktionen auf den Amoklauf in München am 22. Juli 2016
Stellungnahme des
Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden -
Stiftung gegen Gewalt an Schulen

 

 

Medienberichterstattung

 

Bei Berichterstattung nach dem Amoklauf in München wurde der Name des Täters von einigen Medien entgegen der bisherigen Empfehlungen ausgeschrieben. Die Berichterstattung war nicht immer sachlich und teilweise von Spekulationen durchsetzt. Auch zeigten manche Fernsehsender ohne Notwendigkeit schwerbewaffnete Polizeibeamte in Dauerschleife. Diese Praxis lenkt das öffentliche Interesse auf den Täter und gibt ihm die mediale Plattform, um die es ihm in seiner Tat geht. Der einzelne Täter sieht, welche Medienaufmerksamkeit er erreichen kann.

In der Diskussion um angemessene Berichterstattung zu Amoktaten kann es nicht um einen Verzicht auf Information gehen, empfohlen werden kann jedoch Zurückhaltung, bis die Ergebnisse polizeilicher Ermittlungen vorliegen. Wünschenswert wäre eine sachliche Berichterstattung, die auf die Darstellung aller nicht unmittelbar für die Information der Öffentlichkeit relevanten Fakten verzichtet.

Wesentliche Aufgabe des Journalismus ist es, den nachgewiesenen Nachahmungseffekt in Zusammenhang mit potentiell tatgeneigten Personen in ihrer Berichterstattung zu berücksichtigen und jede diesbezügliche Unterstützung zu vermeiden.

Internet– und Forennutzer bitten wir, bedrohlich wirkende Inhalte der Polizei mitzuteilen. Besorgnis hinsichtlich einer möglichen Amoktat oder eines geplanten Anschlages sollte Anlass sein, zuständige Stellen einzuschalten und eine Überprüfung zu veranlassen. Dies ist im Interesse aller in einem solchen Fall betroffenen Menschen.

Ebenfalls bitten wir die Nutzer sozialer Medien um Zurückhaltung bei akuten Taten, insofern sie möglicherweise zu Spekulationen über die Tat führen oder Verunsicherung und Panik  auslösen können.

 

 

Zur Prävention weiterer Amoktaten und Anschlägen durch Einzeltäter

 

...hält es die „Stiftung gegen Gewalt“ für erforderlich…

 

  • … die Einrichtung eines strukturierten Bedrohungsmanagements an Schulen zu fördern,
  • … flächendeckend Krisenteams an Schulen einzurichten,
  • … ein strukturiertes Bedrohungsmanagement in Kommunen aufzubauen,
  • … Pädagogen, Erzieher, Ausbilder, Verantwortliche in der Flüchtlingsbetreuung zu informieren und zu schulen

-> hinsichtlich aktueller Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zu Merkmalen der Früherkennung potentiell tatgeneigter Personen,

-> aktuell nicht nur in Bezug auf Amok sondern auch hinsichtlich Radikalisierung, um mögliche ideologisch  motivierte Anschlagspläne insbesondere durch Einzeltäter zu erkennen,

  • … ein vernetztes Beratungsangebot Amokprävention aufzubauen, das es besorgten Menschen in unklaren, bedrohlich wirkenden Situationen ermöglicht, kompetenten Rat und Unterstützung zu erhalten.

 

 

Außerdem halten wir es für erforderlich…

 

  • … auf die Sorgfaltspflicht von Waffenbesitzern hinsichtlich der Aufbewahrung von Schusswaffen hinzuweisen,
  • … die Ermittlungsmöglichkeiten der Strafverfolgungsbehörden im sogenannten Darknet zu verbessern,
  • … die für Dekowaffen geltende EU-Richtlinie vom 08.04.2016 zu überprüfen. Da sowohl bei dem Amoklauf in München als auch den Attentaten von Paris nicht reaktivierte Dekowaffen sondern Salutwaffen verwendet wurden, ist die nur für Dekowaffen geltende Richtlinie zu überprüfen. In einer Pressemitteilung vom 14.07.2016 erkennt auch der EU-Ausschuss für den Binnenmarkt Handlungsbedarf bezüglich der Salutwaffen.

 

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Abschlusstagung Teilprojekt Gießen: Kriminologische Analyse von Amoktaten – junge und erwachsene Täter von Mehrfachtötungen, Amokdrohungen

im BMBF-geförderten Verbundprojekt TARGET (Tat- und Fallanalysen hoch expressiver zielgerichteter Gewalt)

 

Das Projekt „Tat- und Fallanalysen hochexpressiver zielgerichteter Gewalt (TARGET)“ ist ein interdisziplinäres Forschungsverbundprojekt auf nationaler und internationaler Ebene zur Erforschung von Ursachen und Prävention von Amoktaten. Der Forschungsverbund analysiert deutsche Fälle hochexpressiver zielgerichteter Gewalt durch jugendliche Einzeltäter (Amok, School Shooting) unter verschiedenen Perspektiven. Zu den Zielen des Projektes gehört den Entwicklungsprozess im Vorfeld, den konkreten Ablauf und die soziale Rahmung solcher Taten zu beschreiben und interdisziplinär konsensfähige, empirisch-begründete Entwicklungsmodelle zu erarbeiten. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit II“ vom März 2013 bis zum Juni 2016 gefördert.

Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden – Stiftung gegen Gewalt an Schulen ist Mitglied des Beirats des Forschungsverbundes TARGET.

Die Professur für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug (Frau Prof. Dr. Britta Bannenberg) an der Justus-Liebig-Universität Gießen ist mit dem Teilprojekt „Kriminologische Analyse von Amoktaten – junge und erwachsene Täter von Mehrfachtötungen, Amokdrohungen“ am Projekt TARGET beteiligt.

Im Gießener Teilvorhaben des Verbundprojekts wurden die Fälle nach Strafakten analysiert und vergleichend besprochen. Ergänzend wurden fehlende Informationen eingeholt (Interviews mit Angehörigen, Bekannten, Opfern und Hinterbliebenen, Opferzeugen und mit Tätern selbst). Im Projekt wurden psychiatrisch-psychologische Begutachtungen und Einschätzungen vorgenommen. Da viele Täter bereits verstorben sind, kam auch die Methode der psychologischen Autopsie zum Einsatz.

Das Forschungsprojekt erhielt diesen Monat leider erneut Aktualität, wie Prof. Dr. Britta Bannenberg als Leiterin des Gießener Teilprojekts feststellte: „Die jüngsten Taten durch Einzeltäter in Orlando oder in Großbritannien (Attentat auf Jo Cox) zeigen Täterpersönlichkeiten, die in ihrer wirren Mischung aus Hass und Extremismus auch in unserer Studie wiederzufinden sind.“

Neben vollendeten und versuchten Tötungsdelikten waren auch Amokdrohungen von hohem Interesse. Das Ziel des Projektes lag darin, die Gefährlichkeit der Umsetzung einer Ankündigung oder Drohung besser einschätzen zu können und Leitlinien zur Kriminalprognose für Polizei, Psychiatrie / Psychotherapie und Justiz zu entwickeln.

Bei der Abschlusstagung des Gießener TARGET-Teilprojekts wurden nun am 23.06.2016 von Frau Prof. Dr. Britta Bannenberg, Frau Dr. Petra Bauer, Frau Anna-Lena Braun und Frau Dipl.-Psych. Alexandra Kirste die Ergebnisse vorgestellt.

 

Im Rahmen des Beratungsnetzwerks Bedrohungsmanagement berät Frau Prof. Dr. Britta Bannenberg kostenlos bei der Abklärung von Amokdrohungen (Gefahrenprognose) und beim Umgang mit der bedrohlichen Person. Dieses Beratungsangebot zur Amokprävention beruht auf einer Zusammenarbeit von Prof. Dr. Britta Bannenberg und dem Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden – Stiftung gegen Gewalt an Schulen.

 

Eine Übersicht über die Forschungsergebnisse des TARGET-Teilprojektes können Sie hier als pdf herunterladen

Forschungsergebnisse des TARGET-Teilprojektes Gießen: Kriminologische Analyse von Amoktaten

Um zum Download angebotene PDF-Dateien zu öffnen, benötigen Sie das Zusatzprogramm Adobe Acrobat Reader, welches Sie im Internet kostenfrei herunterladen können

 

Hier ein Artikel über die Gießener Abschlusstagung im Gießener Anzeiger

 

Meldung auf SWR1: "Neue Studie über junge Amoktäter"

 

"Was Amokläufer antreibt"  (Gießener Allgemeine Zeitung)

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BERATUNGSANGEBOT  AMOKPRÄVENTION

 

 

IHR ANLIEGEN

 

Sie sind besorgt…

wegen des Verhaltens eines Schülers / einer Schülerin (eines Mitschülers / einer Mitschülerin) / eines Freundes Ihrer Kinder / eines Kollegen / eines Bekannten?

Das Verhalten wirkt bedrohlich, ist jedoch schwer einzuschätzen?

Es könnte sich um eine Amokdrohung handeln?

Es könnte auch ein unbedachter, dummer Scherz sein?

Es könnte aber auch der Hinweis auf eine andere Problemlage sein?

 

Sie sind sich nicht sicher…

  • ob Sie die Polizei informieren sollten?
  • ob es sinnvoll wäre, die Schulpsychologie oder andere externe Berater einzuschalten?
  • ob Sie den Schüler / den Kollegen selbst ansprechen sollten?

 

UNSER ANGEBOT


Rufen Sie uns zu den üblichen Geschäftszeiten einfach unter folgender Rufnummer an:


07195 - 589 570


Falls Sie ausnahmsweise niemanden erreichen, rufen wir Sie innerhalb von 24 Stunden zurück. Bitte hinterlassen Sie Ihre Rufnummer auf dem Anrufbeantworter.


Schreiben Sie uns eine Mail:

info@aktionsbuendnis-amoklauf.de


Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Wir stellen den Kontakt zu einer kostenlosen Beratung durch die Professur für Kriminologie (Frau Prof. Dr. Britta Bannenberg) der Justus-Liebig-Universität Gießen her.

Wir arbeiten mit der Professur für Kriminologie zusammen.

 

Weitere Informationen zum Beratungsnetzwerk Amokprävention finden Sie auf der Homepage der Professur für Kriminologie der Justus-Liebig-Universität Gießen:

https://www.uni-giessen.de/fbz/fb01/professuren/bannenberg

 

Hinweis für Anfragen aus Baden-Württemberg:

Bitte wenden Sie sich bei Unsicherheiten zu bedrohlichem Verhalten im Schulkontext direkt an die für Ihre Region zuständigen polizeilichen oder schulpsychologischen Ansprechpartner:

Polizeipräsidien Baden-Württemberg

https://www.polizei-bw.de/Dienststellen/Seiten/default.aspx


Schulpsychologische Beratungsstellen Baden-Württemberg

http://www.kompetenzzentrum-schulpsychologie-bw.de/,Lde/Startseite/Schulpsychologie+BW/Schulpsychologische+Beratungsstellen+in+Baden_Wuerttemberg

 

 

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Manual „Wenn der Spaß aufhört…“

 

Zur Vertiefung des Themas Gewalt im schulischen Alltag sowie affiner Themen (Mobbing, Cybermobbing, Zivilcourage) wurde eine Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt, die für den Einsatz im Unterricht konzipiert ist.

Bausteine:

Die Unterrichtsmaterialien, die als Kopiervorlagen gestaltet sind

Die Broschüre, die Informationen zu den Themen (Cyber-) Mobbing, Zivilcourage enthält

DVD

 

Der auf der DVD enthaltene Kurzfilm "Mobbing – Wenn der Spaß aufhört" erhielt im Rahmen des 6. CFF Filmpreises David eine lobende Erwähnung und damit den 1. Platz in der Kategorie "Szenischer Film und Serie".

Für das Manual müssen wir einen Kostenbeitrag von 30,00 Euro erheben. Mit dem Formular können Sie die Handreichung bei uns bestellen.

 

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„WIR macht Schule“    Video    (YouTube-Kanal Kultusministerium Baden-Württemberg)

Ein Projekt des Landesschülerbeirats und des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg für Schülerinnen und Schüler. Die Idee von „WIR macht Schule“ ist, dass Schülerinnen und Schüler Projekte initiieren, die die Identifikation und das Zusammenleben aller am Schulleben Beteiligter ermöglichen und ein konstruktives und vertrauensvolles Miteinander an der Schule schaffen.

Bei Rückfragen bitte Mail an den Landesschülerbeirat Baden-Württemberg senden:  wms@lsbr.de

                                        

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