
Hardy Schober, Vorsitzender des Aktionsbündnisses nimmt in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung Stellung zum offenen Brief des VDVC (Verband für Deutschlands Video- und Computerspiele)
Der Artikel "Das Amokbündnis schafft sich neue Gegner" von Frank Rodenhausen erschien am 27. Juli 2010 in der Ausgabe der Stuttgarter Zeitung und kann hier im Wortlaut nachgelesen werden.
In einem offenen Brief haben der Verband für Deutschlands Video- und Computerspiele (VDVC) und die Organisation Pirate Gaming eine „erneute Radikalisierung „des Aktionsbündnisses Amoklauf in Winnenden angeprangert und die Initiative zu „konstruktiven Ansätzen“ aufgerufen. Der Vorstoß der Eltern, deren Kinder bei Amoklauf eines 17-Jähringen am 11. März des vergangenen Jahres an der Albertville-Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) ums Leben kamen, bezeichnen die Spielverbände als „kurzsichtig und sogar schädlich für den Jugendschutz“. Der Vergleich von Computerspielern mit Auftragsmördern sei herabwürdigend. Die jüngsten politischen Aktionen des Amoklauf-Bündnisses stellten eine Abkehr von dessen bisherigem Bekenntnis dar, keine absolute Einschränkung für Computer- und Videospiele mit Gewaltinhalten zu fordern, schreiben die Spielverbände. Sie beziehen sich dabei auf ein Streitgespräch, das Gisela Mayer, die mittlerweile zurückgetretene Pressesprecherin des Bündnisses, mit einem VDVC- Vorsitzenden geführt hat und das in der Stuttgarter Zeitung abgedruckt wurde. „Statt Sturm gegen eine ungefährliche Freizeitbschäftigung junger Menschen zu laufen, sollte sich gerade ein Bündnis und eine Stiftung mit Ihrer Ausrichtung und Ihrem Hintergrund den mangelnden sozialen Sicherungen an Schulen annehmen“, heißt es in dem offenen Brief.
Hardy Schober, der Vorsitzende des Amokbündnisses, sieht in der Reaktion der Spielervertreter „erschreckende Parallelen zum Verhalten der Waffenlobbyisten“. „Wir haben aber weder die Waffenbesitzer noch die Computerspieler unter einen Generalverdacht gestellt“, sagt Schober. Das Aktionsbündnis habe sich nie für ein generelles Verbot von Computerspielen starkgemacht, lediglich gegen die realitätsnahe Simulation der Tötung von Menschen. Das virtuelle Abschlachten von Menschen oder Trainingsmethoden, die auch von US-Militär zur Herabsetzung der Hemmschwelle eingesetzt würden, hätten nichts mit dem Begriff Spiel zu tun. Deshalb müssten solche Programme verboten werden. Den Vertretern der Computerspieler rät Schober, sich erst einmal mit den Forderungen des Aktionsbündnisses differenziert auseinander zu setzen und sich auf eine Position zu einigen. Dann könnte man über die geforderten „gemeinsamen konstruktiven Ansätze“ diskutieren.
Auszüge aus dem Bericht der Stuttgarter Zeitung Ausgabe 27.07.2010
Lesen Sie dazu auch den Beitrag "Gamer und die Wissenschaft" von Dr. Rudolf H. Weiß